Last Minute: Lichtbildnerinnen

Von Achim Manthey

Marcia Resnick, aus der Serie „Re-visions“, 1978, Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München (Foto: © Marcia Resnick)

Zum 80. Geburtstag hat die Pinakothek der Moderne in München der Sammlerin und Stifterin Ann Wilde eine Studioausstellung ausgerichtet. Die Schau zeigt Arbeiten von Fotografinnen von den 1930er Jahren bis heute und ist noch bis zum kommenden Sonntag zu sehen. 

Gleicher Ort, gleiche Zeit und mehrere Kameras. Die in New York und München lebende Fotografin Barbara Probst setzt sich in ihrer Serie „“Exposure“ mit der Ambiguität von Bildlichkeit auseinander. Mithilfe eines ausgeklügelten Mechanismus werden mindestens zwei Kameras gleichzeitig ausgelöst und nehmen die (gestellte) Szene mit verschiedenen Blickwinkeln auf, in denen die ursprüngliche Motivlage unterlaufen wird und – auch durch Kombination von Farbe und Schwarz-weiß – neue Narrative schafft.

Johanna Diehl, Haus Hamberger, Rosenheim (5), 2006, Sammlung Ann Wilde, Zülpich (Foto: © Johanna Diehl)

Die Aufnahmen sind Teil der Studioausstellung „Re-visions“ in der Münchner Pinakothek der Moderne, mit der die Sammlerin und Stifterin Ann Wilde anlässlich ihres 80. Geburtstags geehrt wird.

Seit 1968 haben Ann und Jürgen Wilde mit viel Engagement und Leidenschaft eine einzigartige, ungeheuer vielfältige Sammlung moderner und zeitgenössischer Fotografie mit mehreren tausend Arbeiten von Fotografinnen und Fotografen aufgebaut, die sie 2010 den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gestiftet haben und die auf kongeniale Weise die Sammlung Fotografie und Neue Medien der Pinakothek der Moderne ergänzt. Die ikonischen Künstlerarchive zu Karl Blossfeld und Albert Renger-Patzsch bilden einen Schwerpunkt der gestifteten Sammlung, aber auch die Arbeiten bedeutender Fotografinnen wie Aenne Biermann, Florence Henri oder Germaine  Krull waren bereits in Einzelausstellungen zu sehen.

Heidi Specker, Blossfeldt, 2003, aus der Serie „Im Garten“, Sammlung Ann Wilde, Zülpich (Foto: © VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

Ein besonderes Anliegen von Ann Wilde war stets und ist bis heute die Förderung und der Erwerb der Arbeiten von Künstlerinnen und Fotografinnen. Für die sehenswerte Ausstellung „Re-visions“ hat sie nun erstmals ihre private Schatzkiste geöffnet. Gezeigt wird eine beeindruckende Auswahl von Werken, beginnend mit Aenne Biermann, Germaine Krull und Florence Henri aus den 1930er Jahren über Jan Groover, Marcia Resnick, Kathleen Seltzer, Gwen Thomas oder Deborah Turbeville in den 70ern, Rineke  Dijkstra und Vibeke Tandberg aus den 90ern bis in die Gegenwart, repräsentiert durch Johanna Diehl, Marie-Jo Lafontaine, Barbara Probst, Alexandra Ranner, Judith Joy Ross, Martine Sauter, Eva-Maria Schön, Kathrin Sonntag, und Heidi Specker für die Zeit zwischen 2001 bis 2015.

Entstanden ist eine wunderbare, vielfältige, durch persönliche Aufzeichnungen und Korrespondenz der Jubilarin ergänzte Ausstellung, die es dank ihres sorgfältigen Kuratoriums auch versteht, in die Zukunft des Mediums Fotografie zu weisen. In dieser Kombination und Auswahl wird man das so bald nicht mehr sehen können.

Nur noch bis zum 17. November 2019 in der Pinakothek der Moderne, Barer Straße 40 in München, täglich von 10 bis 18 Uhr, sonntags Eintritt für einen Euro.