Ankommen

Von Achim Manthey

Anna Katharina Zeitler, Little drop of poison, aus der Serie „If you can dream it, you can do ist“, 2017 (Foto: © Anna Katharina Zeitler)

Die aktuelle Kabinettausstellung der Sammlung Fotografie im Münchner Stadtmuseum zeigt den Bilderzyklus „If you can dream ist, you can do it“ der Fotografin Anna Katharina Zeitler. Er erzählt vom Gehen und Bleiben. 

Anna Katharina Zeitler, Into the night, aus der Serie „If you can dream ist, you can do it“, 2016 (Foto: © Anna Katharina Zeitler)

Ein Gang, ein Eingang oder Durchgang vielleicht. Seitenwände und Boden sind nur anfangs beleuchtet und verlieren sich alsbald in tiefem Dunkel. In weite Ferne gerückt ein helles Rechteck. Das Licht am Ende des Tunnels? Into the Night, der Titel der 2016 entstandenen Aufnahme aus der Serie „If you van dream it, you can do ist“ führt eher in die Irre als zu einem Ziel, das im Ungewissen bleibt.

Die Fotografin Anna Katharina Zeitler nimmt für ihren abgeschlossenen Bilderzyklus ihre persönliche Lebenssituation der letzten zehn Jahre zum Ausgangspunkt. Eine Zeit, die geprägt war von ständigem Unterwegsein und dem Wunsch, ja der Sehnsucht, endlich irgendwo anzukommen.

Nach Abschluss ihres Studiums an der Staatlichen Fachakademie für Fotodesign in München 2003 geht die Künstlerin nach New York – und bleibt zehn Jahre lang. So richtig ankommen tut sie dort nicht, ist ständig unterwegs, bereist die Vereinigten Staaten, lebt in Chile und Indien, nimmt Stipendien in Spanien wahr.

Anna Katharina Eitler, You keep me hanging on, aus der Serie „If you can dream it, you can do it“, 2014 (Foto: ©Anna Katharina Zeitler)

Schon früh beginnt Anna Katharina Zeitler, ihr von Unruhe geprägtes Leben in analogen Fotografien festzuhalten. Dass irgendwann ein Projekt daraus werden soll, schwebt ihr bald vor, ohne genau zu wissen, in welcher Form. Sie entscheidet sich – inzwischen in Berlin angekommen, wo sie heute lebt und arbeitet – schließlich für das Ausstellungsformat. 2018 werden die Bilder auf der Photo 18 in Zürich präsentiert.

Die nun in München gezeigte, von Rudolf Scheutle kuratierte Ausstellung mit Fotografien aus den Jahren 2014 bis 2018 bietet indes keinen Lebenslauf in Bildern. Im Gegenteil: die Aufnahmen sind nicht chronologisch gehängt, versagen sich jede Angabe zu Ort und Zeit der Entstehung. Sie oszillieren zwischen Rast- und Ruhelosigkeit und Heimweh und sind zugleich ein poetischer Reigen voller Sinnlichkeit, Intimität, Melancholie und Magie. Autobiografisches und Fiktionales fließen ineinander und lassen dem Betrachter Raum für Interpretationen.

Anna Katharina Zeitler, Old Hildebrand, aus der Serie „If you can dream ist, you can do ist“, 2014 (Foto: © Anna Katharina Zeitler)

Da sieht man Porträts von Familienangehörigen und Freunden, Menschen, die sie auf ihrer Wanderschaft kennengelernt, manchmal auch wieder verloren hat. Viele Aufnahmen zeugen von unterschiedlichen Lebensgefühlen – allerdings derjenigen Privilegierten, die sich das leisten können. Anderes ist fundsachenartig und auch die bisweilen kryptischen Bildtitel wie I wie up seven times oder Little drop of poison geben dazu keinen Aufschluss. Sie sind eine Einladung an die Betrachterin und den Betrachter, ihren eigenen Zugang zu finden.

„Meine Fotografien sind eine Reise zurück in diese Zeit“, erläutert die Künstlerin ihren Bilderzyklus. „Ich benutze Bilder als Metaphern für meine Erinnerungen, um scheinbare Zwischenzustände als Konstante zu beschreiben.“ Es sind fragmentarische Alltagsbilder, sequenziell, sehr assoziativ, rätselhaft, unbestimmt wie Träume, die einen begleiten in Reisen durch Niemandsländer – und die auch dann bleiben, wenn man angekommen zu sein glaubt.

Bis zum 29. April 2019 im Münchner Stadtmuseum, S.-Jakobs-Platz 1 in München, täglich außer Montag 10 bis 18 Uhr. Im Kehrer Verlag ist ein Begleitbuch erschienen.

 

 

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