Vier Engel für München

Von Achim Manthey

Nicholas Nixon, The Brown Sisters, New Canaan, Connecticut, 1975 (Foto: Bayer. Staatsgemäldesammlungen, Pinakothek der Moderne, München © Nicholas Nixon)

Dank großzügiger Unterstützung durch die Alexander Tutsek-Stiftung konnte die Pinakothek der Moderne in München für ihre Sammlung Fotografie und Neue Medien die ikonische Serie „The Brown Sisters“ des amerikanischen Fotografen Nicholas Nixon erwerben. 

Es kann getrost als ein Coup bezeichnet werden, der den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen vor wenigen Tagen für die Sammlung Fotografie und Neue Medien in der Pinakothek der Moderne gelungen ist. Die mittlerweile aus 44 Fotografien bestehende Werkreihe „The Brown Sisters“ des US-amerikanischen Fotografen Nicholas Nixon zählt zu den Ikonen der Fotografiegeschichte. Sie konnte nun für das Haus käuflich erworben werden.

Nichols Nixon, The Brown Sisters, New Canaan, Connecticut, 1984 (Foto: Bayer. Staatsgemäldesammlungen, Pinakothek der Moderne, München © Nicholas Nixon)

Seit 1975 porträtiert Nixon seine Ehefrau Babe und ihre drei Schwestern. Dafür kommen  die vier Frauen jedes Jahr für ein Gruppenbild zusammen, dessen grundsätzliche Parameter über die Jahrzehnte gleich bleiben: die Reihenfolge, in der sich die Protagonistinnen für die Schwarz-Weiß-Aufnahme mit der Großformatkamera aufstellen, und das Negativformat von 8 x 10 inch (20 x 25 Zentimeter). Und auch, dass nach jedem Shooting gemeinsam entschieden wird, welches Bild das gültige sein soll, steht fest. Meist sind die Modelle stehend und im Brustbild erfasst, manchmal auch in Ganzkörper- oder Halbporträts oder sitzend abgebildet und blicken direkt in die Kamera. Selten kommt es vor, dass sie sich oder eine die andere(n) ansieht. Auch die Abstände der Schwestern zueinander variieren – Ausdruck von Entfernung und Annäherung, wie sie sich über die Jahrzehnte ergeben kann. Aber nie – Nixon mag das bedauern – gelang es, die Geschwister für dieses ungewöhnliche Langzeitprojekt in jedem Jahr am selben Tag und immer selben Ort zu versammeln und zur selben Stunde zu fotografieren (auch wenn die zur Verfügung gestellten Bilder zum Aufnahmeort anderes bekunden).

Nicholas Nixon, The Brown Sisters, New Canaan, Connecticut, 1999 (Foto: Bayer. Staatsgemäldesammlungen, Pinakothek der Moderne München © Nicholas Nixon)

Nicholas Nixon, 1947 in Detroit geboren und fotografisch von Edward Weston und Walker Evans beeinflusst, zählt zu den bedeutendsten und einflussreichsten amerikanischen Fotografen seiner Generation. In seinen Arbeiten vertritt er einen formal strengen, sachlich dokumentarischen Stil. Mit „The Brown Sisters“ gelingt es dem Künstler, die sich immer wieder wandelnde Beziehung der Schwestern zueinander darzustellen und zugleich von der Vergänglichkeit und dem Zeitgeschehen zu erzählen. Ebenso dokumentiert das als Work-in-progress entstandene Werk die sich wandelnde Gesellschaft.

Der Erwerb der Serie stand schon lange auf der Wunschliste von Inka Graeve-Ingelmann, der Leiterin der Sammlung Fotografie und Neue Medien der Pinakothek der Moderne, wo die seinerzeit aus 40 Aufnahmen bestehende Reihe bereits 2015 einmal gezeigt werden konnte.

Nicholas Nixon, The Brown Sisters, New Canaan, Connecticut, 2014 (Foto: Bayer. Staatsgemäldesammlungen, Pinakothek der Moderne, München © Nicholas Nixon)

Der Ankauf konnte nun durch die großzügige Unterstützung der Münchner Alexander Tutsek-Stiftung realisiert werden, die die gesamten Kosten des Erwerbs, die im mittleren sechsstelligen Bereich liegen, übernimmt. Einer der Zwecke der Stiftung ist es, neben eigener Sammlungstätigkeit und der Veranstaltung von Ausstellungen – die Konzentration liegt hierbei auf zeitgenössischer Fotografie und Skulptur – öffentliche Sammlungen zu fördern und zu unterstützen. „Uns ist bewusst, dass öffentliche Museen ohne private Unterstützung kaum noch in der Lage sind, signifikante Werke für ihre Sammlung anzukaufen. Herausragende Arbeiten sind aber für den Ausbau einer international beachteten Sammlung, die Reputation des jeweiligen Hauses, sowie für die Stadt München und den Freistaat Bayern unerlässlich. Sie dienen als kulturelle Botschafter“, erklärt die Wissenschaftlerin und leidenschaftliche Fotografin Eva-Maria Fahrner-Tutsek, Vorstandsvorsitzende der Stiftung, deren neuerliches Engagement, das nicht das erste für die Pinakothek der Moderne ist. Einfluss auf die Ankaufspolitik der Institutionen nimmt die Stiftung dabei nicht, ebenso erfolgen keine Gegenleistungen. Einzige Bedingung für die Unterstützung beim Ankauf von „The Brown Sisters“: Die Werke müssen innerhalb von fünf Jahren im Museum der Öffentlichkeit präsentiert werden. Was in diesem Fall bedeutet: Wiedersehen macht Freude.

 

 

 

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