Mohnlandung für den Frieden

Von Achim Manthey

Impressionen von der Kunstaktion Walter Kuhns „Never Again – Mohnblumen auf dem Königsplatz“ in München (Fotos: © Achim Manthey)

Vor einhundert Jahren endete der Erste Weltkrieg. Mit seiner Kunstaktion „Never Again – Mohnblumen auf dem Königsplatz“ erinnert der Münchner Aktionskünstler Walter Kuhn daran und mahnt für den Frieden. 

 

Der einen oder dem anderen werden sie vielleicht aufgefallen sein beim Betrachten der Pressefotografien zu den Berichten über die Gedenkveranstaltung am 11. November in London, die alljährlich um dieses Datum herum am zweiten Sonntag im November dort begangenen Rememberance Day, an dem des Endes des Ersten Weltkriegs durch den Waffenstillstandsvertrag von Compiégne am 11. November 1918 gedacht wird. Die Queen trug einen, auch Prinz Charles bei der Kranzniederlegung und ebenso der zu dieser Feierlichkeit eingeladene Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: kleine Anstecker mit roten Mohnblumen aus Papier. Die gehören traditionell dazu. Das geht zurück auf den kanadischen Arzt und Dichter John McCrac, der in seinem Gedicht „In Flanderns Fields“ davon erzählt, wie er als Soldat selbst an der Westfront in Flandern diente und sah, dass aus der „blutgetränkten Erde“ der Schlachtfelder diese Blumen wuchsen, als wäre es nichts.

Nie wieder Krieg! Auch der Münchner Aktionskünstler Walter Kuhn hat sich des Themas und der Symbolik der Papaver rhoeas, des Klatschmohns, wie er auch genannt wird, angenommen – und dabei in großen Dimensionen gedacht. Für sein Projekt „Never Again – Mohnblumen auf dem Königsplatz“ hat er das geschichtsträchtige, ursprünglich der Kunst gewidmete, und heute doch mit überwiegend bedrückenden Erinnerungen belastete Areal mit 3200 künstlichen Mohnblumen bepflanzt. Jede einzelne von ihnen ein hüfthohes Kunstwerk mit im Durchmesser 70 Zentimeter breiten Blütenblättern aus leichtem roten Stoff und einem samtenen schwarzen Fleck in der Mitte, das alles fixiert mit stabilem Draht. So stehen sie da nebeneinander und bilden zwischen Antikensammlung, Glyptothek und Propyläen ein wogendes rotes Meer als Symbol der Erinnerung und des Gedenkens, der Versöhnung und der Mahnung. Alle Opfer aller Kriege hat der Künstler hier einbezogen, denn „es ergibt wenig Sinn, mit Stolz auf Nation, Religion (oder Ideologie) auf dem Friedhof zu landen“, wie der Dalai Lama in einem Text in der sehr instruktiven Broschüre zitiert wird, die kostenfrei beim Besuch der Aktion erhältlich ist.

Dieses „Niemals wieder“ steht denn auch in großen weißen Buchstaben und in verschiedenen Sprachen und Schriftzeichen auf einem schwarz gestrichenen Container, der vor dem Eingang zur Glyptothek platziert ist. Auch das weist auf das zentrale Anliegen des Künstlers, der, wie Alexandra Schörghuber, eine der Schirmherrinnen, in ihrem Grußwort zur Kunstaktion schreibt, hier „das Unbegreifliche sichtbar (…macht) – und das auf eine äußerst kunstvolle und ästhetische Art.

Die Blumen sind da. Aber: Wann werden wir verstehn?

Bis zum 2. Dezember 2018 auf dem Königsplatz in München, jederzeit anzusehen.

 

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