Benzin im Blut

Von Achim Manthey

„Die lange Nacht“, 24 Stunden von Le Mans, 1977, Der nächtliche Boxenstop des Martini-Porsche 936 Turbo mit dem Porsche-Werksteam Jacky Ickx, Jürgen Barth und Hurley Haywood (Foto: © Werner Eisele, courtesy Galerie Stephen Hoffman)

Über fünf Jahrzehnte fotografierte Werner Eisele bei den bedeutendsten Motorsportveranstaltungen weltweit. Erstmals ist nun eine Auswahl seiner Arbeiten in einer Galeriepräsentation zu sehen. 

Valtteri Bottas, Lewis Hamilton, Kimi Räikkönen oder Sebastian Vettel. Bekannte Namen, die auch für Menschen, die mit Motorsport und insbesondere mit Autorennen nicht so viel am Hut haben, präsent sind – und Rennfahrer, die noch gar nicht geboren waren, als Werner Eisele begann, in der Welt der Formel 1 oder bei Tourenwagen-Meisterschaften zu fotografieren. Damals waren Wolfgang Graf Berghe von Trips, Jim Clark, Jacky Ickx, Jochen Rindt, James Hunt, Jochen Maas und Hans Joachim Stuck die Helden in ihren manchmal auch fliegenden Kisten, wie Aufnahmen wie das am Nürburgring entstandene Bild „Hoch und weit“, das Jochen Rindt 1966 im Cooper Maserati zeigt,  oder das vom „Flying Eagle“ mit Dan Gurney von 1967 belegen. Eisele hatte sie alle vor der Linse.

Seine Leidenschaft für Rennwagen und den Motorsport entdeckte der 1938 in Stuttgart geborene Werner Eisele schon als Junge. In Automagazinen sah er die Bilder von Rennautos und war fasziniert. Unter dem Vorwand, seinem Onkel seine Vesper bringen zu wollen, gelang ihm der Zutritt zum Gelände des Porsche-Stammwerks in Zuffenhausen und marschierte schnurstracks in die Halle mit den Rennwagen, wo er die dort ausgestellten Boliden in der Realität bewundern konnte. Am Nürburgring sah er wenig später sein erstes Rennen. Die Begeisterung für den Automobilrennzirkus ließ ihn bis heute nicht mehr los.

Flying Eagle, Dan Gurney, Nürburgring, 1967 (Foto: Werner Eisele, courtesy Galerie Stephen Hoffman)

Beim Solitude-Rennen in Stuttgart entstehen seine ersten Fotografien. Und Huschke von Hanstein, noch so eine Fahrer-Legende und damals Rennleiter bei Porsche, wird auf ihn und seine Bilder aufmerksam – und zahlt ihm irgendwann sein erstes Fotohonorar: 100 Mark, viel Geld damals.

Aber zum Leben reichte das nicht. Eisele fängt als Fotolaborant bei Kodak an und wird dort später Werbeleiter, ein Job, den er 33 Jahre lang hauptberuflich macht. Und er darf trotzdem als Fotograf zu den bedeutendsten Rennsportveranstaltungen in alle Welt reisen, um seine Aufnahmen zu machen, die in vielen Zeitungen, Magazinen und Büchern veröffentlicht werden.

Die Münchner Galerie Stephen Hoffman zeigt aus dem ohne Übertreibung riesig zu nennenden Archiv des Künstlers rund 25 besonders prägnante Aufnahmen aus den Jahren 1961 bis 1985, die bei Formel 1-Rennen, bei den 24 Stunden von Le Mans  oder dem 1000 km-Rennen in Spa Francorchamps entstanden und erstmals in einer Galeriepräsentation zu sehen sind. Dynamische, spannende Bilder mit Situationen vor und neben den Rennstrecken, waghalsige Überholmanöver sind dabei, eindringliche Portraits der Piloten und nicht zuletzt Bilder von Stars an den Boxen wie das Fürstenpaar von Monaco oder Mia Farrow.

James Dean und der Porsche-Werksmechaniker Rolf Wütherich am 30. September 1955 in Los Angeles im Porsche 550 Spyder. Wenige Stunden nach der Aufnahme ist James Dean tot (Foto: © Werner Eisele, courtesy Galerie Stephen Hoffman)

Eine in der Ausstellung gezeigte Aufnahme – sie ist fast ein wenig versteckt hinter einem Erker gehängt – stammt indes nicht von Werner Eisele selbst; er hat sie quasi geerbt. Das Bild stammt von einem unbekannten Fotografen und entstand in Los Angeles am 30. September 1955, dem Todestag des Schauspielers James Dean. Der hatte sich gerade einen der wenigen dort erhältlichen Exemplare des neuen Porsche 550 Spyder gekauft. Zur Geschichte der Fotografie schreibt Eisele: „Start zu einem Automobil-Rennen in Salinas. Mein Jugendfreund Rolf Wütherich, Porsche Werksmechaniker, und James Dean posieren für das letzte glückliche Foto im Porsche 550 Spyder. Wüterich bittet einen Passanten kurz vor dem Start mit seiner Kodak Retina Kamera dieses Foto zu schießen. Die Unglücksfahrt endet nach ca. 270 km auf einer Kreuzung des Highway 46, James Dean ist sofort tot und Rolf Wütherich kehrt nach langem Klinikaufenthalt in den USA nach Deutschland zurück. Den Kodak-Film ließ ich nach Jahren entwickeln…“ Eine historische Aufnahme und womöglich ein Beitrag, die Legende James Dean noch einmal aufleben zu lassen.

Noch bis zum 18. November 2017 in der Galerie Stephen Hoffman, Prannerstraße 5 in München, Mi.-Fr. 11-18 Uhr, Sa. 11-14 Uhr, freier Eintritt, Publikation. 

 

 

 

 

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