Hommage für Bruno

Von Achim Manthey

Ausstellungsansicht der „Touristentiere“ von Stefan Nimmesgern in der Schalterhalle des Münchner Hauptbahnhofs (Foto: © Achim Manthey)

Wenn wilde Tiere verreisen. Die Bildstrecke „Touristentiere“ des Fotografen Stefan Nimmesgern erzählt reizende Geschichten. 

Spontan fühlt man sich erst einmal an Mecki, den Redaktionsigel der Fernsehzeitschrift Hörzu erinnert, der in den zwischen 1952 und 1964 erschienenen, gezeichneten Bilderbüchern mit seinen tierischen Freunden in der Weltgeschichte unterwegs war, bei Indianern, Eskimos und Chinesen und in Afrika, und der Harun al-Rashid und Sindbad den Seefahrer ebenso wie Frau Holle traf.

Aber die Fotoarbeiten, die Stefan Nimmesgern zur Zeit in einer Ausstellung in München zeigt, sind doch so ganz anders. Denn anstatt in Form eines Buches erzählt der Fotograf hier mit jeder einzelnen Aufnahme der Serie „Touristentiere“ eine eigene kleine Geschichte, die sich zudem in der Fantasie eines jeden Betrachters auch noch ganz unterschiedlich abspielen kann.

Der Fotokünstler, der als Werbe- und Landschaftsfotograf international gefragt ist und vor allem durch seine Dokumentation des Auffindens der sterblichen Überreste des Bruders von Reinhold Messner am Nanga Parbat im Himalaya berühmt wurde, versteht seine Bildstrecke als Hommage an Bruno. Jener Braunbär, der 2006 aus der Brenta „anreiste“, um das bayerische Voralpenland zu besuchen. Das als „Problembär“ apostrophierte Tier bezahlte seinen Ausflug damals mit dem Leben. Als Erinnerung daran ist in der Ausstellung eine Arbeit zu sehen, die Bären beim touristischen Vergnügen am Sylvensteinspeicher in Bayern zeigen.

So tragisch wie Bruno ergeht es den „Touristentieren“ allerdings nicht. Bei ihnen handelt es sich freilich nicht um solche, die in zoologischen Gärten ihr Dasein fristen. Auch nicht um Schnurrle oder Bello, die Frauchen und Herrchen in den Urlaub an die Ostsee oder in den Chiemgau begleiten. In analog fotografierte Landschaftspanoramen, die auf seinen zahlreichen Reisen rund um den Erdball entstanden sind, hat Stefan Nimmesgern Aufnahmen verschiedener wilder Tiere, die er ebenfalls abgelichtet hat, einkopiert. Und sie damit in Weltgegenden und Situation versetzt, in denen man sie nicht erwartet.

Da inspizieren nun also Giraffen die antike Stadt Ankor Thom in Kambodscha oder Nashörner das grönländische Inlandeis. Affen tummeln sich Downtown Singapur oder in den Twin Towers von Malaysia und Flussperde und Guanakas sind nach Patagonien, Chile, gereist. Selbst Tiere, die in freier Wildbahn nun so gar nicht zueinander passen würden, da die einen Mahlzeit des anderen wären, wie Löwe und Gazellen, erleben friedlich schiedlich nebeneinander, wie es am Mount Everest in Nepal so zugeht.

Die 15 in der Ausstellung gezeigten großformatigen Bilder erzählen kreativ und ideenreich lustige und abenteuerliche, auch groteske Geschichten, die sich jeder Betrachter selbst ausmalen kann. Die Schau ist reizend, charmant – und nicht nur für Kinder ein großer Spaß. Und da es ja ums Reisen geht, passt auch der Ausstellungsort.

Noch bis zum 6. August 2017 in der Schalterhalle des Münchner Hauptbahnhofs, bei freiem Eintritt jederzeit einsehbar. 

 

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