Die Macht der Pracht

Von Achim Manthey

Wenn dir’s in Kopf und Herzen schwirrt…, 2016 (Foto: © Margriet Smulders, courtesy Galerie Jordanow)

Die Münchner Galerie Jordanow begrüßt den Frühling mit den opulenten Blumenstillleben der niederländischen Fotokünstlerin Margerite Smulders. Wie passend. 

„Wenn dir’s im Kopf und Herzen schwirrt,/was willst du Bessres haben!/Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt,/der lasse sich begraben/.

Es braucht nicht viel Fantasie um sich vorzustellen, wie sich der olle Dichterfürst und Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe auf einem Diwan fläzend die großformatigen Farbfotografien betrachtet, die sein um 1827 entstandenes Gedicht als Titel tragen. Gern lässt sich die niederländische Fotografin Margriet Smulders für ihre Arbeiten von Dichtung inspirieren, in der sie Bezüge zu ihrem Werk findet. Auch Baudelaire und Shakespeare durften schon herhalten.

Margriet Smulders, 1955 im njiederländischen Bussum geboren, studierte zunächst Psychologie an der Universität von Nijmegen. Ein Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Arnheim schloss sich an, bevor sie sich der Fotografie zuwandte. Seit 1996 bildet die Arbeit mit Blumen den Schwerpunkt ihrer Lichtbildnerei. Ihre Werke sind in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen weltweit vertreten.

One Day we went out Fishing, 2015 (Foto: © Margriet Smulders, courtesy Galerie Jordanow)

Die Münchner Ausstellung zeigt mächtige, in den Jahren 2000 bis 2016 entstandene Arbeiten von großer Vieldeutigkeit, Opulenz und Farbenpracht, die geprägt sind durch die Bildsprache der niederländischen Stillleben-Malerei, die Smulders in die heutige Zeit übersetzt. Ihnen liegen aufwendige Kreationen im Studio zugrunde. In einem Wasserbassin arrangiert die Künstlerin frische Blumen, Pflanzen und Früchte und Meeresgetier, spielt mit Spiegeln, Stoffen, Glasformationen und farbigen Tinten. So entstehen bühnenhafte Inszenierungen, die sie ausleuchtet und dann fotografiert.

Da ragen aus einem Meer von Blüten in der ganzen Palette von Rottönen weiße Zweige wie Tentakel in den Raum, prächtige Farbkompositionen in Blau, Orange, Grün und Rot ergeben Strudel, die den Blick des Betrachters in ungeahnte Tiefen zu ziehen scheinen. Und die bei einiger Konzentration erkennbaren Schnittlinie zwischen Arrangement und Spiegelung offenbaren die Grenzen zwischen Realität und Illusion.

Schönheit, Liebe und Sinnlichkeit drücken die Fotografien aus und stehen zugleich für die Vergänglichkeit und die Endlichkeit allen Seins. Wer in unruhigen Zeiten das Gute, Wahre, Schöne sucht, findet hier zumindest des Gute und Schöne.  Immerhin.

Bis zum 24. Juni 2017 in der Galerie Jordanow, Zieblandstraße 17 in München, Mi. bis Fr. 14 bis 19 Uhr, Sa. 11 bis 15 Uhr, Eintritt frei

 

 

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