Zwischen Hoffen und Bangen

Von Achim Manthey

Verzweifelt harren viele der Menschen bei Wind und Wetter im März 2016 im griechischen Flüchtlingscamp Idomeni aus (Foto: © Florian Bachmeier)

Verzweifelt harren viele der Menschen bei Wind und Wetter im März 2016 im griechischen Flüchtlingscamp Idomeni aus (Foto: © Florian Bachmeier)

Der Bayerische Journalisten-Verband hat die Gewinner des Wettbewerbs „Pressefoto Bayern 2016“ ausgezeichnet. Die Bilder blicken zurück auf ein Jahr, das nachdenklich stimmt. Sie sind zur Zeit in einer Ausstellung im Maximilianeum in München zu sehen. 

Es sind Szenen der Verzweiflung, die den Alltag der Menschen prägen, die im März 2016 bei Kälte, Schnee und Regen am Grenzzaun des griechischen Flüchtlingscamps Idomeni ausharren, dessen Tor sich für sie nicht in die Freiheit öffnet. Der selbständige Fotograf Florian Bachmeier aus Schliersee hat das Lager wenige Wochen vor dessen Schließung besucht, wo die Fotoserie „Hope interrupted“ entstand, für die er nun als Sieger in der Kategorie „Serie“ des Wettbewerbs „Pressefoto Bayern 2016“ geehrt wurde. Nach dem Urteil der Jury zeigt die Arbeit mit ihren nahen, unmittelbaren Bildern „Situationen von apokalyptischer Strahlkraft“.

Sachelle Babbar, Warten am Stachus, Gesamtsieger Pressefoto Bayern 2016 (Foto: © Sachelle Barbar)

Sachelle Babbar, Warten am Stachus, Gesamtsieger Pressefoto Bayern 2016 (Foto: © Sachelle Barbar)

Das sich allmählich dem Ende zuneigende 2016 war ein bedrückendes Jahr, auch für München und den Freistaat. Die, wie es heißt, politisch motivierten Terroranschläge in einem Regionalzug in Würzburg und beim Musikfest Ansbach, der Amoklauf eines 18-jährigen Schülers im Münchner Olympia-Einkaufszentrum mit zahlreichen Toten, der die Großstadt zweitweise in Schockstarre versetzte, das Zugunglück bei Bad Aibling, das Elend der Flüchtlinge mit seinen bis den den Alltag ausstrahlenden Folgen. Die Liste scheint schier endlos. Und auch wenn nicht alle Geschehnisse in Bildern dokumentiert sind, so findet sehr viel seinen Niederschlag in den in diesem Jahr mehr als 900 Einsendungen zu dem vom Bayerischen Journalisten-Verband seit 1999 jährlich ausgeschriebenen Wettbewerb, aus denen eine unabhängige Jury nun den Gesamtsieger und die Gewinner in sieben Kategorien für das Jahr 2016 gewählt und ausgezeichnet hat. Die Arbeiten sind zur Zeit in einer Ausstellung im Münchner Maximilianeum zu sehen.

Sebastian Beck, "Herzkammerl", aus der zwischen Januar und Juli 2016 in Altötting entstandenen Serie "Voll der Gnade" (Foto: ©Sebastian Beck)

Sebastian Beck, „Herzkammerl“, aus der zwischen Januar und Juli 2016 in Altötting entstandenen Serie „Voll der Gnade“ (Foto: ©Sebastian Beck)

Der Preis für das Pressefoto Bayern 2016 ging an Sachelle Babbar für das Bild mit dem Titel „Warten“, eine an sich umspektakuläre Aufnahme, die am 22. Juli 2016 am Stachus in München entstand und schwer bewaffnete Polizisten mit Spezialausrüstung am Karlsdorf zeigt, die nach dem Amoklauf eine menschenleere Szenerie sichern. Durch seinen klaren grafischen Aufbau transportiert das Foto gut die Stimmung und das Gefühl, das sich an jenem Abend der Stadt bemächtigt hatte.

"Facebox", das kleinste soziale Netzwerk der Welt, in dem man lediglich einen Freund haben kann, der einem auch noch in persona gegenüber steht (Foto: © Daniel Karmann)

„Facebox“, das kleinste soziale Netzwerk der Welt, in dem man lediglich einen Freund haben kann, der einem auch noch in persona gegenüber steht (Foto: © Daniel Karmann)

Das Flüchtlingsthema nimmt Natalie Neomi Isser mit ihrer Reportage „Schleuserautoss“ auf, für die sie im Oktober Gebiete an derr österreichischen Grenze besucht und die Relikte der durch Schleuser organisierten illegalen Flucht fotografiert hat. Die Arbeit wurde mit dem Nachwuchspreis ausgezeichnet. Die Folgen der Flutkatastrophe im niederbayerischen Limbach hat der Agenturfotograf Christof Stäche, Sieger der Kategorie Umwelt und Energie, aufgearbeitet, Sieger der Kategorie Tagesaktualität wurde Uwe Lein aus Bad Aibling mit einer Fotografie, die einen bei dem Zugunglück auggeschlitzten Waggon abbildet und in bewegender Weise von der Tragik dieser Katastrophe und er menschlichen Machtlosigkeit angesichts der Trümmerlandschaft erzählt.

Die dynamische Aufnahme gelang im Januar 2016 anlässlich des Biathlon-Weltcups in Ruhpolding und ist Sieger der Kategorie Sport (Foto: © Karl-Josef Hildenbrand)

Die dynamische Aufnahme gelang im Januar 2016 anlässlich des Biathlon-Weltcups in Ruhpolding und ist Sieger der Kategorie Sport (Foto: © Karl-Josef Hildenbrand)

Aber glücklicherweise sind es nicht nur die Tragödien, welche die Menschen noch in den Bildern bewegen. Es gibt auch die stillen, die heiteren und spannenden Szenen, die Pressefotografen einfangen. Sebastian Beck beispielsweise, der für eine SZ-Reportage in die Wallfahrtskirche in Altötting besuchte. Das in der Kategorie Bayern Land und Leute prämierte Bild entstand dort in der Gnadenkapelle, das nach dem Urteil der Jury „die gleichsam meditative Kraft eines tief wurzelnden Glaubens wiedergibt“. Oder die Aufnahme „Facebox“ des Gewinners der Kategorie Kultur, Daniel Karmann. Sie entstand am 8. Juli bei der medienkritischen Ausstellung „no pain, no game“ in Nürnberg und zeigt zwei Jugendliche im kleinsten sozialen Netzwerk der Welt, in dem man nur einen einzigen Freund haben kann – und der steht einem direkt gegenüber. Dem dpa-Fotografen Karl-Josef Hildenbrand aus Kaufbeuren, seit Jahren Abonnent auf Siege in diesem Wettbewerb, gelang Anfang Januar die mit dem Gewinn der Kategorie Sport ausgezeichneten Aufnahme des französischen Sportlers Martin Fourcade wähernde eines abendlichen Trainingslaufs bei dichtem Schneegestöber anlässlich des Biathlon-Weltcups in Ruhpolding.

Es ist eine insgesamt sehr stimmige Auswahl, die der Jury heuer wiederum gelungen ist. Die Fotografien sind ein Abbild unserer Zeit und lenken, worauf die Schirmherrin der Ausstellung, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, zutreffend hinweist, zugleich auf die wichtige Arbeit professioneller Pressefotografen, deren Arbeit auch in diesem Jahr aufgrund immer schwierigerer Bedingungen und wirtschaftlicher Verhältnisse nicht einfacher geworden ist.

Die Ausstellung „Pressefoto Bayern 2016“ wird noch bis zum 22. Dezember 2016 im Kreuzgang des Maximilianeums in München gezeigt und geht anschließend auf Tour durch bayerische Städte. Erste Stationen sind Ansbach, Viechtach und der Münchner Flughafen. Ausführlicher Katalog mit vielen weiteren Wettbewerbsbeiträge auch als pdf unter http://www.bjv.de

 

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