Augenzwinkernd

Von Achim Manthey

Elliott Erwitt, California Kiss, 1955 (Foto: © Elliott Erwitt/Magnum Photos, coortesy Galerie Stephen Hoffman, München

Elliott Erwitt, California Kiss, 1955 (Foto:
© Elliott Erwitt/Magnum Photos, courtesy Galerie Stephen Hoffman, München

Eine herrlich heitere Ausstellung in München zeigt klassische und Farbaufnahmen des großen Fotografen Elliott Erwitt aus mehr als fünf Jahrzehnten. 

Elliott Erwitt, Reno, Nevada, The Misfits, 1960 (Foto: © Elliott Erwitt/Magnum Photos, courtesy Galerie Stephen Hoffman, München)

Elliott Erwitt, Reno, Nevada, The Misfits, 1960 (Foto: © Elliott Erwitt/Magnum Photos, courtesy Galerie Stephen Hoffman, München)

1960/61. In der Wüste von Nevada dreht der Regisseur John Huston den Film „Misfits – Nicht gesellschaftsfähig“. Bei den Dreharbeiten ist die Agentur Magnum mit zwölf Fotografen vertreten. Unter ihnen neben Eve Arnold auch Elliott Erwitt. Ihm gelingt es, das Starensemble, darunter Marilyn Monroe, Clark Gable und Montgomery Clift, für ein Gruppenfoto zusammenzutrommeln, was bei dieser lebhaften Truppe gar nicht so einfach war. Die Aufnahmen, die dabei entstanden, zählen zu den Ikonen der Set-Fotografie.

Elliott Erwitt wird 1928 in Paris geboren und wächst dort und in Mailand auf. 1939 emigriert die Familie in die USA. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitet er in einem Fotolabor. 1948 geht er nach New York, lernt Edward Steichen kennen und Robert Capa, der ihn 1953 zur einige Jahre zuvor gegründeten Fotografen-Agentur Magnum holt. 1958 wird er deren Vollmitglied, ist mehrmals Präsident und Vizepräsident und gehört ihr bis heute als aktives Mitglied an. Elliott Erwitt lebt in New York.

Elliott Erwitt, Provence, Frankreich, 1955 (Foto: © Elliott Erwitt/Magnum Photos, courtesy Galerie Stephen Hoffman, München)

Elliott Erwitt, Provence, Frankreich, 1955 (Foto: © Elliott Erwitt/Magnum Photos, courtesy Galerie Stephen Hoffman, München)

Sonnenuntergang über Santa Monica. „California Kiss“, die 1955 entstandene Fotografie eines im Außenspiegel eines am Meer geparkten Autos abgebildeten Kusses, ist ein Klassiker der Fotografie des 20. Jahrhunderts, ebenso die im gleichen Jahr entstandene Aufnahme einer jungen Frau, die auf das Rockefeller Center im New Yorker Nebel schaut („The Lady and the City“).

Elliott Erwitt ist mit einem ebenso hintersinnigen wie warmen Humor gesegnet, der sich in seiner Arbeit immer wieder mal Bahn bricht. Bei Vernissagen zu seinen zahlreichen Ausstellungen weltweit trug er gern ein Plastik-Spiegelei am Revers, „damit ich erkannt werde“. Und er ist bekennender Hundefreund, wie sich in vielen, teilweise skurrilen Bildern zeigt. Wer ist hier Herrchen oder Frauchen? Eine der berühmtesten Aufnahmen zeigt eine Frau mit zwei Hunden, einem großen und einer mit Strickmütze und -mäntelchen angetane Handvoll Hund. Von der Frau und dem großen Tier sind lediglich die Beine zu sehen, nur der Zwerg ist in voller Lebensgröße zu erkennen. Die Kleinen werden die Großen sein.

Elliott Erwitt, Pacific Palisades, California, USA, 1964 (Foto: © Elliott Erwitt/Magnum Photos, courtesy Galerie Stephen Hoffman, München)

Elliott Erwitt, Pacific Palisades, California, USA, 1964 (Foto: © Elliott Erwitt/Magnum Photos, courtesy Galerie Stephen Hoffman, München)

Neben Klassikern in Schwarz-Weiß zeigt die Münchner Ausstellung auch eine Auswahl von Farbaufnahmen. Erwitt hatte schon früh begonnen, auch mit Farbfilm zu arbeiten, meist bei Aufträgen von Zeitschriften und Magazinen. Aber auch zu seinem eigenen Vergnügen. „Einhundert PS“ ist so ein Beispiel, für das sich der Fotograf 100 Mustangs besorgte, die einen in der Prärie abgestellten blauen Kombi umkreisen. Oder das sehr lustige Bild einer Garde von Kellnern, die höchst amüsiert aus dem Fenster des Restaurants im Pariser Hotel Ritz schauen. Weiß der Teufel, was da zu sehen war; jedenfalls muss der Betrachter beim Ansehen der Fotografie unwillkürlich mitlachen.

Eine sehr heitere, umangestrengte Schau eines der sympathischsten Fotografen unserer Zeit ist zu sehen, den der Galerist Stephen Hoffman so beschreibt: „Geistreich, nostalgisch, teilweise sarkastisch oder einfach nur amüsant und herzlich.“

Bis zum 24. Dezember 2016 in der Galerie Stephen Hoffman, Prannerstraße 5 in München, Di. bis Fr. 11 bis 18 Uhr, Sa. 11 bis 14 Uhr, Eintritt frei. 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s