Bodenabstraktionen

Von Achim Manthey

Ausstellungsansicht "Cologne - Photographs and Spaces" mit Arbeiten von Rita Rohlfing in der Smudajescheck Galerie im Kunstraum Van Treeck (Foto: Smudajescheck Galerie)

Ausstellungsansicht „Cologne – Photographs and Spaces“ mit Arbeiten von Rita Rohlfing in der Smudajescheck Galerie im Kunstraum Van Treeck (Foto: Smudajescheck Galerie)

Zum ersten Mal in München sind in einer kleinen Ausstellung fotografische Arbeiten der Kölner Künstlerin Rita Rohlfing zu bewundern. 

Man mag am liebsten hinlangen an diese Bilder, mit den Fingerspitzen die Spuren ertasten, die sich wie Narben und Falten über die schwarzdunklen Flächen ziehen. Und spürte, täte man es denn, doch nur die Glätte des Trägermaterials.

Auf den die Grenzen formaler und kompositorischer Eigenschaften der Fotografie überschreitenden Aufnahmen erkennt man von zahllosen Linien, Streifen, Schlieren und kreisrunden Abdrücken durchzogene dunkle Flächen, die ihrerseits durchsetzt sind von rundlichen, an den Rändern unscharf ausgefransten Lichtfeldern. Dass es sich um Farbfotografien handelt, wird man erst durch bräunliche und bläuliche Sequenzen in den Radbereichen der Bilder gewahr, deren Grundtönung sich ansonsten fast zur Gänze auf Schwarz, Grau und Weiß beschränkt, sich mithin im Bereich dessen aufhält, was ungeachtet variabler Schattierungsmöglichkeiten gern den sogenannten Nichtfarben zugeordnet wird.

Rita Rohlfing, Fotografische Arbeit aus der Reihe "scheinbar", 2015 (Foto: © Rita Rohlfing, courtesy of Smusajescheck Galerie)

Rita Rohlfing, Fotografische Arbeit aus der Reihe „scheinbar“, 2015 (Foto: © Rita Rohlfing, courtesy of Smudajescheck Galerie)

Rita Rohlfing, 1964 geboren, studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig und schloss die Ausbildung dort mit Diplom ab. Ein DAAD-Auslandsstipendium ermöglichte ihr 1994/95 eine ergänzende Ausbildung an der School of Visual Arts in New York. Sie lebt und arbeitet in Köln.

Daheim in der Malerei, Objektkunst, Skulptur und spezifischen Rauminstallation hat sich die Künstlerin folgerichtig die Fotografie als weitere Ausdrucksform erschlossen. Die hier gezeigten Arbeiten aus der Reihe „scheinbar“ entstanden auf der Art Cologne 2015, wo die Künstlerin ihr Augenmerk nicht auf das Messetreiben richtete, sondern auf ein ebenso zwingend notwendiges wie gemeinhin unbeachtetes Element der Räume: den Fußboden, über den unzählige Kunstwerke transportiert wurden und tausende Besucher gegangen sind und ihre Spuren im Bodenanstrich hinterlassen haben. Die zunächst undefiniert bleibenden Lichtreflexe auf den abgebildeten Flächen entpuppen sich als Spiegelungen der Deckenbeleuchtung und stellen in den Arbeiten fast ordnende Elemente dar. Enthüllen sich in der Nahsicht eine Vielzahl von Details, verschwimmen diese mit zunehmender Betrachtungsentfernung ins Ungewisse. Das kann ebenso beklemmend wie beruhigend wirken.

Etwas gelingt der Ausstellung aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht: die Herstellung einer intensiven Beziehung zwischen dem konkreten Raum und dem Werk, mithin die Schaffung eines Gesamtkunstwerks, wie es ein Wesensmerkmal der Arbeiten von Rita Rohfing darstellt. Ergänzt wird die Schau durch zwei Arbeiten der Serie „Immaterial Space“, Kästen aus Acryl-Glas, die in der Bewegung des Betrachters ein wellenförmiges Eigenleben in grüner Farbe entwickeln und neben den sehenswerten Fotoarbeiten etwas abfallen.

Bis zum 2. Juni 2016 in der Smudajescheck Galerie im Kunstraum Van Treeck, Schwindstraße 3 in München, Di. bis Sa. 11 bis 16 Uhr, Eintritt frei. 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s