Wo die Weisheit wohnt

Von Achim Manthey

Installationsansicht der Ausstellung "Bibliotheken" von Candida Höfer in der Galerie Rüdiger Schöttle (Foto: Wilfried Petzi)

Installationsansicht der Ausstellung „Bibliotheken“ von Candida Höfer in der Galerie Rüdiger Schöttle (Foto: Wilfried Petzi)

In einer fulminanten Ausstellung präsentiert die Galerie Rüdiger Schöttle neue Arbeiten der Fotografin Candida Höfer. Sie hat spätbarocke Klosterbibliotheken in Österreich aufgenommen. 

Mystische, geheimnisvolle, stille Orte, ein Kosmos der Weltordnung sind Bibliotheken seit Jahrhunderten. Der erst kürzlich verstorbene, große Professor für Semiotik und Schriftsteller Umberto Eco hat einer solchen Kathedrale der Weisheit in seinem 1980 erschienenen Erstlingsroman „Der Name der Rose“ ein weltumspannendes Denkmal gesetzt, als er den Franziskanermönch William von Baskerville mit seinem Adlatus Adson von Melk in eine Abtei in der unwegsamen Bergwelt des Apennin reisen lässt, um dort die in einer solchen Bibliothek verwahrten Zeichen in den Büchern als Träger privilegierten Wissens zu erforschen und zu entdecken.

Schon seit den 1970er-Jahren beschäftigt sich die Fotografin Candida Höfer mit der Abbildung öffentlicher Räume. Museen, Foyers, Ausstellungshallen, Vorlesungssäle und eben auch Bibliotheken, zu denen sie schon 2005 eine eindrucksvolle Publikation vorgelegt hat, zu der Umberto Eco einen Essay beisteuerte.

Zur Eröffnung der Ausstellung am 18. Februar war Candida Höfer nach München gekommmen. Sie ist hier mit Armin Zweite, dem langjährigen Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und später der Sammlung Brandhorst, zu sehen (Foto: Robert Freiberg)

Zur Eröffnung der Ausstellung am 18. Februar war Candida Höfer nach München gekommmen. Sie ist hier mit Armin Zweite, dem langjährigen Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und später der Sammlung Brandhorst, zu sehen (Foto: Robert Freiberg)

Candida Höfer, 1944 in Eberswalde geboren, zählt zu den bedeutendsten Vertretern der von Bernd und Hilla Becher begründeten Düsseldorfer Fotoschule, aus der unter anderen auch Andreas Gursky, Thomas Struth und Thomas Ruff hervorgegangen sind. Hörers Arbeiten, die international ausgestellt werden und in den renommiertesten Sammlungen weltweit vertreten sind, werden geprägt durch ihre sachliche, konzentrierte Darstellung der ausgewählten Räume, in denen Menschen fehlen und mit denen sich die Künstlerin, die in Köln lebt und arbeitet, als in der Tradition ihrer Lehrer stehend erweist.

2014 hat sie Österreich bereist, um spätbarocke Klosterbibliotheken des Landes abzulichten und damit ihre einschlägige Sammlung dieser Kulturräume zu erweitern. Erstmals in Deutschland wird in der Münchner Galerie Rüdiger Schöttle eine Auswahl von sechs großformatigen Fotografien dieser neuen Werkreihe gezeigt, die in den Benediktinerstiften Altenburg und Admont, dem Augustiner Chorherrenstift St. Florian, dem Benediktinerstift Melk und dem Zisterzisienserstift Schlierbach entstanden sind.

Aus zentraler Perspektive aufgenommen vermitteln die Lichtbilder einen unmittelbaren Eindruck von der Pracht und der Bedeutung dieser Orte des Geistes, die zum herausragendsten Kulturerbe spätbarocker Kunst und Baumeisterschaft gehören. „Der Blick auf die großformatigen Arbeiten macht nicht nur das farbenprächtige, dynamische Zusammenspiel von Architektur, Plastik und Malerei oder die theatralische Lichtführung des Barockzeitalters erfahrbar, sondern erfasst vor allem die Quelle des Wissens, auf der unser heutiges Weltverständnis beruht, in einem gleichnishaften Bild“, heißt es in einem Text zur Ausstellung. Und er vermittelt eine Ahnung von dem, was Umberto Eco in seinen Romanen über das  Buch an sich und vorrangig über die Sammlung von Büchern erklärt: das nämlich diese Weltordnung nicht erfunden, sondern seit jeher und bis heute im Wachstum begriffen war und ist.

Bis zum 16. April 2016 in der Galerie Rüdiger Schöttle, Amalienstraße 41 in München, Di. bis Fr. 11 bis 18 Uhr, Sa. 12 bis 16 Uhr, Eintritt frei. 

 

 

 

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