Spektakulär unspektakulär

Von Achim Manthey

Wild bewegt oder streng graphisch aufgebaut kommen die abstrakten Aufnahmen von Diemut von Funk daher (Foto: © Diemut von Funk, courtesy by Ingo Seufert Galerie für Fotografie der Gegenwart)

Wild bewegt oder streng graphisch aufgebaut kommen die abstrakten Aufnahmen von Diemut von Funck daher (Foto: © Diemut von Funck, courtesy by Ingo Seufert Galerie für Fotografie der Gegenwart)

Ingo Seufert bringt in der aktuellen Ausstellung „Wahrnehmungen“ abstrakte und karg realistische Fotografie der Münchner Lichtbildner Demut von Funck und Stefan Schumacher stimmig unter einen Hut. 

Häufig ist das so eine Sache mit Gemeinschaftsausstellungen, zumal dann, wenn die Arbeiten der Künstler grundverschieden sind. Um da nicht lediglich einen Kessel Buntes zu präsentieren braucht es sorgfältige Vorbereitung und kursorische Betreuung.

Die Münchner Galerie für Fotografie der Gegenwart stellt abstrakte Arbeiten der Fotografin Diemut von Funck den puristischen Architekturaufnahmen von Stefan Schumacher zu Seite. Beides mag auf den ersten Blick nicht zusammen zu passen. Doch bei genauer Betrachtung ist die Präsentation mehr als stimmig.

Die großformatigen Fotografien von Demut von Funck erzielen ihre bewusst eingesetzte Unschärfe aus der Kamerabewegung, die weit über ein bloßes Mitziehen des Aufnahmegerätes hinausgeht. Es entstehen farbstarke, formal weitgehend verselbständigte Bildrealitäten, die von dynamisch und dramatisch bewegten, ja aufgewühlten Szenerien bis hin zu ruhigen, streng linearen, durch ihre Buntheit durchbrochene Umwandlungen zu abstrakten Abläufen werden, die als fotografische Arbeiten kaum mehr auszumachen sind.

Puristische Provinzarchitektur ohne Mensch, Tier und Schlagschatten (Foto: © Stefan Schumacher, courtesy by Ingo Seufert, Galerie für Fotografie der Gegenwart)

Puristische Provinzarchitektur ohne Mensch, Tier und Schlagschatten (Foto: © Stefan Schumacher, courtesy by Ingo Seufert, Galerie für Fotografie der Gegenwart)

Eine vollkommen andere Bildsprache hat der Münchner Fotograf für ein wohl noch nicht abgeschlossenes Langzeitprojekt entwickelt. Seit mehr als zehn Jahren nimmt er umspektakuläre architektonische Schauplätze in Vorortsiedlungen und Dörfern auf. Da finden sich triste, dem Verfall anheim gegebene Bauten, das wird historisch gewachsenes durch modernistische Hochhäuser, die ohne eigenen Charakter sind, erdrückt, negiert. Oder er beobachtete über mehrere Jahre zu unterschiedlichen Zeitpunkten aus immer derselben Perspektive ein Anwesen, das Veränderungen ausschließlich durch Austausch der Sichtblende an einer Grundstücksgrenze erfährt. Ein Triptychon in der Ausstellung erzählt davon in spartanischer Eindringlichkeit. Aus deskriptiver Distanz aufgenommen ist eine spannende Werkreihe entstanden, der belebende Elemente wie Menschen oder Tiere oder aufgrund des gedämpften Tageslichts jegliche Schlagschatten völlig fehlen und durch Ortlosigkeit geprägt sind, die ihren besonderen Reiz indes aus fein herausgearbeiteten Farb- und Strukturrelationen gewinnen.

Wahrnehmungen. Der Titel der Ausstellung ist nicht zuletzt die Aufforderung an den Betrachter, sich das persönliche Bilderlebnis durch eingehende Befassung mit dem Gezeigten zu erarbeiten. Das lohnt sich bei bei den Arbeiten beider Künstlern allemal.

Bis zum 3. November 2015 bei Ingo Seufert, Galerie für Fotografie der Gegenwart, Schleißheimer Straße 44 in München, Mo. bis Fr. 14 bis 19 Uhr, Sa. 11 bis 15 Uhr, Eintritt frei.

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Ein Gedanke zu “Spektakulär unspektakulär

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