Variationen mit Fisch und mehr

Von Achim Manthey

 

Vera Mercer, Caufoot, Paris, 2014 © Vera Mercer, courtesy by Galerie Jordanow

Vera Mercer, Caufoot, Paris, 2014 © Vera Mercer, courtesy by Galerie Jordanow

Eine kleine, feine Ausstellung in München zeigt fotografische Stillleben und Künstlerporträts von Vera Mercer.

In der Küche nennt man es „Berg und Meer“, wenn eine dieser Kombinationen von Fleisch und Meeresfrüchten auf den Teller kommt. Das kann auch der Fotografin Vera Mercer als Inspiration für für ihre opulenten Arrangements, die ihren farbenprächtigen Fotografien zugrunde liegen, gedient haben. Aus sinnlich-bizarren Bestandteilen, die beim Kochen verwendet werden, aus Fisch und anderen Meeresfrüchten, aus Wild, Geflügel, Früchten, Gemüse, Kräutern und Gewürzen, die mit Blumengebinden, Kerzen, Leuchtern, oder Gläsern zusammengestellt sind, bildet sie barock anmutende, kulinarische Landschaften, von denen surreal erscheinende Fotografien mit Anklängen an die klassische Malerei entstehen.

Vera Mercer, Mushroom, 2013 © Vera Mercer, courtesy by Galerie Jordanow

Vera Mercer, Mushroom, 2013 © Vera Mercer, courtesy by Galerie Jordanow

Vera Mercer, 1936 als Tochter des Bühnenbildners Franz Mertz in Berlin geboren, macht zunächst eine Ausbildung als Tänzerin. 1958 heiratet sie den Künstler Daniel Spoerri, mit dem sie nach Paris zieht und sich zunächst autodidaktisch der Fotografie widmet. Bald wird sie Teil der Kunstavantgarde der frühen 60er Jahre, ist unter anderen mit Marcel Duchamp, Niki de Sant-Phalle und Samuel Beckett befreundet. Es entstehen Künstlerporträts – einige davon sind in der Ausstellung zu sehen –  und Werkdokumentationen, aber auch Fotografien von Menschen in den Markthallen und Restaurants von Paris. Die Ehe mit Spoerri zerbricht. 1973 heiratet sie Marc Mercer, geht mit ihm nach Omaha im US-Bundesstaats Nebraska, eröffnet verschiedene Restaurants und beschäftigt sich fotografisch zunehmend mit den aufwändigen Stillleben.

Vera Mercer, Three Fish Heads, Omaha, 2015 © Vera Mercer, courtesy by Galerie Jordanow

Vera Mercer, Three Fish Heads, Omaha, 2015 © Vera Mercer, courtesy by Galerie Jordanow

Die Fotografien erzählen immer auch von Vergänglichkeit. Inmitten der nachgerade kulinarische wie erotische Sinnesfreuden verheißenden Tischlandschaften  erscheinen Vanitas-Motive wie Tierschädel, verwelkende Pflanzen oder fast herunter gebrannte Kerzen, die als memento mori an die eigene Sterblichkeit gemahnt. So präsentiert die kleine, feine Ausstellung mit den Arbeiten von Vera Mercer beide Seiten der Medaille Leben.

Bis zum 14. Mai und vom 10. bis 20. Juni 2015 in der Galerie Jordanow, Zieblandstraße 19 in München, Mi. bis Fr. 14 bis 19 Uhr, Sa. 11 bis 15 Uhr, Eintritt frei.

 

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