Angeeignete Räume für Papageno

Von Achim Manthey

 

Moritz Partenheimer, Nr. 1 ausder Serie "W Ave A", Florida 2014 © Moritz Partenheimer

Moritz Partenheimer, Nr. 1 aus der Serie „W Ave A“, Florida 2014 © Moritz Partenheimer

Der Fotograf Moritz Partenheimer komponiert den diskreten Charme der strengen Kühle. Seine aktuellen Arbeiten sind zur Zeit in einer Ausstellung in München zu sehen

Niemand ist zu sehen. Und doch sind sie gegenwärtig. Denn das, was Moritz Partenheimer auf seinen Fotografien abbildet, ist von Menschen gemacht und oft von Menschen verlassen. Und damit ist es auch gut. Der Mensch hat seine Schuldigkeit getan, der Mensch kann gehen.

Was zynisch klingt ist tatsächlich Ausdruck einer humanistischen Grundhaltung, die der Fotograf auf eine allerdings distanzierte Art und Weise zum Ausdruck bringt. Kühl, ja steril scheinende Räume seziert er, zerlegt sie mit hochformatigen Aufnahmen in monochrom helle Schablonen, die sich bei genauem Hinsehen als sorgfältige Kompositionen von Flächen, Strukturen, Symmetrien, Licht und ausfransenden Spiegelungen darstellen, in denen Paar- oder Gruppenbildungen von Gegenständen miteinander korrespondieren und zuweilen eine Stellvertreter-Rolle spielen. Losgelöst von konkreten Örtlichkeiten entstehen aus den zuweilen anämisch scheinenden Bildern Geschichten, die sich absurd übersteigern lassen und in denen der Betrachter temporär vergehen kann.

Moritz Partenheimer, 1979 in München geboren, hat visuelle Kommunikation und Fotografie an der Bauhaus-Universität in Weimar studiert. Seine Arbeiten sind in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen international vertreten. Die in der Ausstellung gezeigten 13 Arbeiten aus den Serien Doing and UndergoingW Ave A und Gateway entstanden in den beiden vergangenen Jahren gelegentlich von Stipendiumsaufenthalten in den USA.

Auch wenn das Karge, Reduzierte, Spröde schon in früheren Jahren Bestandteil seines Werks waren, beweist er mit der neuen Serie Gateway, dass er es auch anders kann. In Florida entstanden Bilder, in denen er eine besondere Welt als Bühne entdeckt hat – deren Protagonisten Wischwedel in Autowaschanlagen sind. Abgebildet in finsterer Nacht und noch triefend von tropischen Regengüssen entstehen in kaltem Licht farbstarke Kompositionen, die beherrscht werden durch mächtige Gestalten in Rot oder Blau; Figuren in Federkleidern wie Papageno, der Vogelfänger in Mozarts Zauberflöte, der – anders als im Märchen – allerdings unerreichbar bleibt für sein ebenfalls gefiedertes weibliches Pendant. Denn es trennt sie der Asphalt.

Partenheimer vereinnahmt die Räume, lässt sie Geschichten erzählen, geheimnisvoll, absurd, kurios und voller Fantasie. Man muss sich nur darauf einlassen.

Noch bis zum 14. März 2015 in der Galerie Jordanow, Zieblandstraße 19 in München. Mi. bis Fr. 14 bis 19 Uhr, Sa. 11 bis 15 Uhr, Eintritt frei.

 

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