Natur im Licht

Von Achim Manthey

 

Danja Akulin, White Forest © Danja Akulin

Danja Akulin, White Forest © Danja Akulin

Eine kleine, feine Ausstellung im Münchner Kunstareal stellt Landschaftszeichnungen des Baselitz-Schülers Danja Akulin fotografische Pflanzenportraits von Bärbel Miebach gegenüber

Feinabstimmung. Danja Akulin braucht für seine Arbeiten nicht viel – außer Platz. Mit filigranen Bleistiftstrichen oder kräftigen mit Kohle lässt er großformatige Landschaften entstehen, die von diffusen Lichtern durchdrungen werden. Es sind obskure, fast mystische Szenerien, die sich dem Betrachter darbieten. Ein hinter Schilf verborgenes, von fahlem Mondlicht beschienenes Gewässer, eine dunkle Lichtung, auf der die Stämme der Bäume, deren Wipfel in Dunkelheit verschwinden, nur noch gebrochen durchscheinen.

Der Künstler, 1977 im russischen Leningrad (heute wieder St. Petersburg) geboren, hat  an der Universität der Künste von Berlin unter anderem bei Georg Baselitz und als Meisterschüler bei Daniel Richter studiert. Akulin ordnet seine Arbeiten einem „ästhetischen Minimalismus“ zu, konzeptionelle Zeichnungen, zu denen Baselitz anmerkt: „Nachdem man seine Bilder angesehen hat, ist es teilweise aufregend, mit den eigenen Augen zu sehen, wie viele Watt es braucht, um ein Treppenhaus in St. Petersburg zu beleuchten.“ (Zit. Text zur Ausstellung).

Bärbel Miebach, Dipsacus sylvestris (Wilde Karde), 2014 © Bärbel Miebach

Bärbel Miebach, Dipsacus sylvestris (Wilde Karde), 2014 © Bärbel Miebach

Die Lichtbildern Bärbel Miebach, die 10 Jahre in New York gelebt und Anfang dieses Jahres ihre Foto-Galerie in München eröffnet hat, kommt für ihre aktuelle Serie fotografischer Portraits von Pflanzen mit noch weniger Licht aus. Sie war, wie sie es selbst nennt, zum Blumen pflücken in der Stadt unterwegs und hat ganz verschiedenartige Pflanzen-Gebilde mitgebracht: Blüten, Samenkapseln, Sporen, die teilweise als Unkraut durchgehen und doch eine immense Schönheit entfalten können. Vor monochrom schwarzen oder hellen Hintergründen hat Bärbel Miebach die wundersamen Körper bei Dunkelheit, die nur vom Licht einer Kerze durchbrochen ist, mit langen Belichtungszeiten von bis zu zwei Minuten fotografiert.

„Urformen der Kunst“ hatte Karl Blossfeldt seine 1928 erschienene Buchpublikation mit Fotografien von Pflanzen genannt, mit der er zunächst lediglich Lehrzwecke verfolgte. Erst später fand er Anerkennung in der Riege neusachlicher Fotokünstler. Auch Bärbel Miebach stellt sich mit ihren digital entstandenen Fotografien in diese Tradition und schreibt sie durch eine eigene, moderne Bildsprache fort. Die scharf konturierten, kleinste Details erfassenden Darstellungen, die auf den ersten Blick schwarz-weiß anmuten und doch subtile, fein nuancierte Blau- und Brauntöne erkennen lassen, sind als Vanitas-Symbole deutbar, die in ihrer Vergänglichkeit doch schon auf das neue Leben weisen, das aus ihnen erwächst.

Bis zum 31. Januar 2015 in der Fotogalerie Bärbel Miebach in Kooperation mit der Galerie J. J. Heckenhauer, Oskar-von-Miller-Ring 31 in München, Di.-Fr. 11-18 Uhr, Sa. 11-14 Uhr, Eintritt frei. Zwischen den Feiertagen nach Vereinbarung, Tel. 089/161 636.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s